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Worüber man sich als Krimiautorin Gedanken macht

Wenn man Krimis schreibt, befasst man sich mit eigenartigen Fragen. Ich bin gerade Mitten im Rohtext meines dritten Krimis und habe eine grobe Idee, wie mein Opfer getötet wird. Ich wollte dass das Opfer diesmal keine offensichtlichen Verletzungen aufweist. Es soll zu Beginn  nicht klar sein, ob die Person eines natürlichen Todes gestorben ist oder es sich um Mord handelt. Damit stehe ich aber vor dem Problem, wie die Todesursache nachgewiesen werden kann. Um das schlüssig darzustellen, musste ich ein paar Fakten recherchieren Ich habe diverse Artikel im Internet gelesen um für meine Geschichte wichtige Fragen zu klären:  Wie lange dauert es bei dieser Form des Mordens bis tatsächlich der Tod eintritt? Ist mein Mörder überhaupt körperlich in der Lage das Opfer auf diese Weise zu töten? Woran wird der Gerichtsmediziner erkennen, dass es kein natürlicher Tod war? Ich hatte eine konkrete Idee für die Mordwaffe, musste aber einige medizinische Fachartikel lesen und das Buch „Von Arsen bis Zielfahnung“ von Manfred Büttner und Christine Lehmann durchforsten, ob diese Idee überhaupt funktionieren kann.

Jetzt mal ehrlich: Welcher normale Mensch befasst sich mit solchen Fragen? Nur jemand, der ein berufliches Interesse daran hat. Also Mediziner, Pathologen oder Polizisten. Oder jemand, der tatsächlich vor hat jemand zu töten – und sei es nur am Papier.

Würde ich all die Gedanken, die mir in dieser Zeit des Schreibens durch den Kopf gehen am Wochenende am Hundeplatz erzählen, die Leute würden sich wohl mit angsterfülltem Blick von mir entfernen oder an meiner geistigen Gesundheit zweifeln. Aber so ist das nun mal als Krimiautorin. Man recherchiert über die Wirkung von Giften, Pflanzenschutzmitteln und Pilzen und eignet sich dabei Wissen an, dass andere naturgemäß unheimlich finden. Letztens habe ich mich beim Stricken bei der Überlegung ertappt, wie viel Kraft es wohl braucht um jemand mit dem Plastikseil, dass zwischen meinen Stricknadeln die Maschen hält, zu erdrosseln. Und wie groß die Wut oder Verzweiflung sein muss, um so einen Kraftakt zu vollführen. Manchmal frage ich mich, ob ich mir um meine geistige Gesundheit Sorgen machen muss. Wobei, mir kommt da gerade eine Idee für einen nächsten Krimi…..

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