Angst vor Kritikern

Vor mehr als zwei Jahren ging meine Website online und damit die Möglichkeit zu bloggen. Zu Beginn habe ich auch den einen oder anderen Blogartikel veröffentlicht, doch dann war Sendepause. Ich habe keine einzige Zeile in meinem Blog geschrieben. Wenn ich darauf angesprochen wurde, antwortete ich: „Mir fehlt die Zeit“. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Ich habe nicht geschrieben aus Angst vor Kritikern und aufgrund falscher Erwartungen an mich selbst.

Zu der Zeit als ich mit dem Bloggen wieder aufgehört habe bekam ich ein vernichtendes Feedback zu einem Ghostwriting Auftrag. Der Kunde hat den fast fertigen ersten Textentwurf einer befreundeten Universitätsprofessorin zu lesen gegeben und mir ihren Kommentar dann per Mail weitergeleitet. Darin stand „Das ganze Buch ist für die Zielgruppe viel zu banal geschrieben. Für so eine gebildete Leserschaft kann man nicht so einfach schreiben. Man merkt, dass die Texterin kein abgeschlossenes Germanistikstudium hat. Wie kommt Sie überhaupt dazu als Texterin zu arbeiten?“

Das hatte gesessen. Ich brach den Auftrag ab, bekam ein Abstandhonorar und das war’s. Was dieser Kommentar in mir anrichtete, wurde mir erst sehr viel später bewusst.

Letzten Sommer habe ich mich mit dem Thema Blog wieder auseinander gesetzt und mir einige Blogs angesehen und auch einen Onlinekurs zu dem Thema gebucht. Darin wurde gepredigt, wie man den Blog gestalten muss, damit man möglichst rasche eine Community aufbaut und richtig viel Geld mit dem Blog verdient. Doch die dafür notwendige Art zu schreiben, ist nicht meine Art zu schreiben.

Wovor habe ich Angst beim Schreiben?

Letzte Woche habe ich bei meiner liebe Kollegin Ana Znidar im writersstudio den Workshop „Geniale Textbausteine für Facebook, Blog und Co“ besucht. Vor allem um zu hören welche Inhalte sie bringt und damit wir Überschneidungen mit meinem Seminar „Marketingtexte für Web, Flyer und Co“ vermeiden können. In Anas Workshop habe ich eine Schreibübung gemacht zum Thema „Wovor habe ich Angst beim Schreiben?“ Bei dieser Schreibübung wurde mir auf einmal klar: Ich habe Angst vor Kritikern wie der Universitätsprofessorin. Doch Menschen wie sie sind nicht meine Zielgruppe. Ich will meinen Blog für Krimibegeisterte und Schreibbegeisterte schreiben. Ich will Ihnen einen Blick hinter die Kulissen beim Schreiben geben. So wie meine Krimis nicht den Anspruch haben hochtrabende Literatur zu sein, sondern zu unterhalten, will ich auch mit meinem Blog unterhalten und inspirieren. Auf einmal wurde aus der lästigen Pflicht „Ich muss meinen Blog befüllen“ die Erlaubnis Spaß am Schreiben zu haben. Ich will Dir, lieber Leserin und lieber Leser, zeigen, dass auch ich als Viel-Schreiberin immer wieder mit mir hadere. Ich will Dich teilhaben lassen an dem Spaß den ich habe beim Figuren entwickeln. An den Überlegungen wie Opfer und Täter in Beziehung stehen und wie ich mich für das Motiv entscheide.

Meinen Kritikern sage ich: Ich schreibe diesen Blog nicht für Euch und ihr müsst ihn auch nicht lesen! Allen anderen verspreche ich: Ihr werdet jetzt öfter von mir lesen, denn immerhin macht es jetzt Spaß diesen Blog zu schreiben und ich bin gerade mitten in meinem dritten Krimi 😉 Es gibt also eine Menge über das ich bloggen kann.

  1. Eva-Maria STADLER
    Eva-Maria STADLER02-05-2016

    Hallo Michi!
    Dies ist die richtige Einstellung!
    Spaß am Leben und Spaß am Schreiben zu haben.
    Lass Dich nicht unter kriegen …weiter so!
    LG EVA

  2. Sabine Lasar
    Sabine Lasar02-09-2016

    Liebe Michaela,
    Wir haben uns ja gestern im Schreibretreat nur kurz gesehen. Heute lese ich diesen Blogeintrag.
    Ich war jetzt 1 ½ Jahre in einem Lehrgang für Literatur. Fast ein kleines Germanistikstudium. Vorher hatte ich großen Spaß am Schreiben, seit einem halben Jahr schreibe oder schrieb ich überhaupt nicht mehr. Nur Zweifel. Diese Literaturwelt kann es gründlich, wenn man ihnen glaubt…
    Ich weiß nun, wie sich so eine komplette Blockade anfühlt. Ich möcht jetzt wieder lernen mich schreiben zu trauen. Gestern hab ich das erstmal alles in mir geordnet. Es war ein produktiver Tag,
    Alles Liebe und ich wünsche Dir viel Erfolg für deinen nächsten Roman,
    Sabine

    • Michaela Muschitz
      Michaela Muschitz02-29-2016

      Liebe Sabine!
      Es freut mich, dass Du Dich wieder traust zu schreiben. Es war ein langer Weg für mich zu begreifen, dass ich nicht für Literaturkritiker schreibe. Sondern für Menschen, die Spaß haben am Lesen und die sich mit einem Buch eine Auszeit aus ihrem anstrengenden Leben nehmen wollen. Ich will Menschen unterhalten. Nicht mehr und nicht weniger.
      Ich wünsche Dir für Deinen Weg alles Gute und vor allem wieder Freude am Schreiben und keine Zweifel mehr!
      Alles Liebe
      Michaela

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